PORTRAIT OF THE WEEK - DER TEILZEITMANN

Portrait of the week

DER TEILZEITMANN

Porträt von Andy Keel - Initiant Projekt "Teilzeitmann" am 15.10.2014 um 11 & 14 Uhr auf GDS.FM/ Zürich

Er ist das komplette Gegenteil eines Teilzeitmannes. Andy Keel, Initiant des Projektes "Teilzeitmann" - vom Büro für Gleichstellung von Mann und Frau (also vom Bund) finanziert - flitzt von Termin zu Termin.
Sein Projekt "Der Teilzeitmann", das durch seine Initiative seit 2012 läuft, entwickelt sich prächtig und geht jetzt in die Schlussphase. Noch bis Ende Jahr laufen er und seine Mitarbeiterinnen auf Hochtouren, um dem gesteckten Ziel näher zu kommen: die Weichen so zu stellen, dass die Teilzeitstellen für Männer in der Schweiz von jetzt ca 16.7 Prozent auf satte 20 Prozent im Jahr 2020 ansteigen.


Die erfolgreiche Kampagne

Sensibilisiert wurden in den vergangenen zwei einhalb Jahren zwei Gruppen: berufstätige Männer - und Firmen. Die Männer wurden durch Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel durch Testimonials von sogenannten "Vorbild-Männern", angesprochen. Diese "Vorbildmänner" berichteten darüber, wie sie es geschafft hatten, ihre jeweiligen Arbeitgeber zu überzeugen, für sie eine Teilzeitstelle zu schaffen, und welche positiven Veränderungen dies für sie auch im Familienleben bedeutet hat. In Firmen wurden und werden Workshops und Vorträge angeboten, die für das Thema sensibilsieren sollten - und das Team vom "Teilzeitmann" bietet Firmen Beratung an zum Thema "flexible Arbeitszeit-Modelle". Work at home und "Ferienkauf" sind hier zwei wichtige Stichworte.

"Die grundlegenden Probleme sind noch nicht gelöst"

Andy Keel kann auf einen grossen Erfolg zurückblicken - gestartet war man 2012 mit einem Teilzeit-Stellen-Anteil von Männern in der Schweiz von 14 Prozent - 2014 sind es bereits 16.7 Prozent - und auf dem Portal "Teilzeitkarriere.com" - von ihm vor sechs Jahren gegründet - verzeichnet Keel jetzt im Vergleich zu 2012 schon doppelt so viele Teilzeit-Stellen-Angebote. Seit Projektbeginn ist auch eine riesige Social-Media-Community mit mehreren tausend Anhängern entstanden, und das Projekt-Team blickt stolz auf ca 45 Millionen Page-Impressions seit Projektstart urück. Dennoch: Zufrieden ist Andy Keel noch lange nicht - im Gegenteil: "Teilzeitstellen sind immer noch nicht "en vogue" - denn die derzeit ausgeschriebenen Teilzeitstellen machen gerade mal ein Zehntel aller offenen Stellen aus", erklärt er. Und ergänzt: "Führung in Teilzeitpensen ist in der Schweiz immer noch tabu. Die Teilzeitstellen in Kaderpositionen, von denen ich weiss, kamen eigentlich immer so zustande, dass eine Führungsperson 100% gearbeitet hat, und dann, zum Beispiel nach einem Mutterschaftsurlaub, zurückkam und das Pensum senkte. Führungspositionen in Teilzeit werden heute immer noch nicht ausgeschrieben".

"Keine Führungspositionen in Teilzeit auszuschreiben, halte ich für Dummheit"

Und Andy Keel geht noch weiter: "Ich bin der Meinung, dass Unternehmen, die ihre Führungspositionen nicht in Teilzeit ausschreiben, schlicht dumm sind." Denn viele gut qualifizierte Schweizer Angestellte, gerade auch Akademiker, so Keel, arbeiteten momentan nicht in ihrem Beruf, für den sie qualifiziert sind, weil sie in anderen Branchen die Möglichkeit haben, Teilzeit zu arbeiten. So gingen der Volkswirtschaft wichtige Fachkräfte verloren, die gerade jetzt dringend gebraucht werden.

Patriarchale Strukturen in Firmen verhindern nach wie vor den Wandel

Das Hauptproblem bei der Schaffung von Teilzeitstellen sieht Andy Keel aber in einem antiquierten Bild vom Mann - und damit . zusammenhängend mit einer Unternehmenskultur, welche Männer immer noch belächelt, welche Teilzeit arbeiten wollen. Gemäss Keel dominiert in Schweizer Firmen nach wie vor eine weitgehend patriarchale Leistungs- und Präsenkultur, welche es dem "Teilzeitmann" unmöglich macht, Fuss zu fassen. Erst wenn sich diese Unternehmenswerte wandeln, so Keel, sei es möglich, vor allem auch Führungspositionen in Teilzeit einzurichten. Er resümiert: "Es geht um eine Erlaubnis-Erteilung an die Männer, dass diese Teilzeit arbeiten dürfen.

Eigeninitiative zur Weiterführung des Projektes

So sieht der Projekt-Initiant Andy Keel nebst seinen messbaren Erfolgen noch sehr viel Handlungsbedarf. Der Bund wird das Projekt nach Ende 2014 nicht mehr weiterführen. Andy Keel wird jedoch die Initiative selbst finanzieren und weiterführen, da er überzeugt ist, dass es zur Sensibilsierung der Öffentlichkeit - und für einen wirkliche Wandel - noch mehr Zeit und Energie braucht.

Informationen zum Projekt unter: www.teilzeitmann.ch
Teilzeitstellen unter: www.teilzeitkarriere.com

Nina Müller

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